Einfluss von Sprache auf die Geburt

In der aktuellen Podcastfolge befassen wir uns mit dem Thema Sprache.

Wir sprechen u.a. darüber

💫 Wie Sprache unser Denken, Handeln & unsere Erfahrungen beeinflusst 

💫 Wie wir unsere Sprache dafür nutzen können, positive Veränderungen zu bewirken & was das für die Geburt bedeutet

💫 Wie wichtig es ist, unsere Worte achtsam zu wählen & auch unser Umfeld dazu zu ermuntern

💫 Welche gewohnten Begriffe wir durch eine neutrale Sprache positiver besetzen können

 

Ich hoffe, du hast heute einige neue Erkenntnisse gewinnen können. Wenn auch du dich in ein positives Umfeld begeben möchtest, wo du Gleichgesinnte triffst, dann komm doch gerne in meine kostenloses Facebook Gruppe “Mentale Geburtsvorbereitung”.

Wie jede Woche gibt es auch diesmal einen Post zu dieser Folge auf Instagram.

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Transkript der Podcastfolge

Unsere Sprache hat einen erheblichen Einfluss auf uns, auf unser Denken und auf unser Handeln.

Sprache formt unsere Wirklichkeit. Etwas, was wir über Sprache nicht ausdrücken können, existiert nicht. Erst, wenn wir ein Wort dafür haben, können wir es auch wahrnehmen.

Beispiel andere Kulturen, wo es ganz viele verschiedene Grüntöne gibt und jeder Grünton hat eigenen Namen. Die Menschen in diesen Kulturen sehen verschiedenen Mini-Nuancen dieser Farbe, wo wir in unserer westlichen Gesellschaft nur grün sehen. Wir merken den Unterschied nicht. Und dieser gleiche Stamm tut sich dafür aber umso schwerer, eine blaue Farbe neben mehreren Grüntönen zu erkennen.

Das zeigt uns also, dass Sprache unsere Realität formt. 

Und sie beeinflusst uns auch und wie wir über Dinge denken. Wie wir sie interpretieren und bewerten. 

Vorstellungen, denen wir wiederholt an vielen Orten & Quellen begegnen, werden Teil einer Konditionierung, die sich über die Zeit in unseren Gedanken festsetzt. Daraus werden dann Gefühle, die dann zu Annahmen werden. Diese Annahmen beeinflussen unser Verhalten, woraus dann wiederum Erfahrungen werden. 

Nehmen wir das Wort Schmerz. In unserer Kultur ist das Wort Schwert negativ behaftet. Kein Wunder, ist Schmerz doch etwas, was niemand so richtig haben will und was uns in Alarmbereitschaft versetzt. Im normalen Alltag soll Schmerz uns signalisieren „Achtung, schau hier mal genauer hin, hier stimmt was nicht.“ Es ist eine Warnung.

Aber genau genommen ist Schmerz ein sehr unkonkreter Überbegriff für unangenehme Körperwahrnehmungen. Es sagt wenig bis gar nichts darüber aus, was wir da gerade GENAU spüren. Wir wissen nur, dass es uns nicht gefällt. Genau genommen ist es also schon eine Interpretation bzw. Eine Bewertung, und zwar eine negative Bewertung. Wir gehen in Abwehrhaltung, wir wollen das nicht da haben.

Wenn wir das Gefühl stattdessen konkret benennen würden, wie es sich anfühlt, dann nehmen wir die Bewertung raus und beschreiben es viel konkreter. Darum würde ich das Wort Schmerz in Zusammenhang mit Geburt lieber ersetzen durch das, was es wirklich ist. Stechen? Druck? Ziehen? Eine Dehnung? 

Mir hat mal eine Mama von einem Buch erzählt, leider weiß ich den Namen des Buches nicht mehr. In dem Buch geht es u.a. um eine Frau, die aus einem fernen Stamm /ferne Kultur nach DE kommt und das Konzept von Schmerz nicht kennt. Ihre erste Geburt in ihrer Heimat verlief demnach schmerzfrei. In DE nachdem sie dort einige Jahre sozialisiert wurde hat sie dann ihr 2.Kind geboren…. unter Schmerzen.

Wenn irgendjemand von euch das Buch kennt, dann schreibt mir bitte. Ich möchte es unbedingt lesen. 

Es gibt also tatsächlich kulturelle Unterschiede, wie wir bestimmte Dinge wahrnehmen, weil es eben auch sprachliche Unterschiede gibt. Wie vorhin schon erwähnt, die Grünschattierungen, die gesehen werden und das Blau aber nicht, weil es für das eine entsprechende Worte gibt und für das andere eben nicht. Und genauso der Schmerz, der in der einen Kultur wahrgenommen wird und in der anderen nicht.

Achtung, welche Worte wir wählen. Wie wir mit uns selbst sprechen.

Es gibt also einige Wörter, die bei der GVB mit HypnoBirthing ersetzt werden bzw. die als Vorschlag für eine neutralere, positivere Sprache dienen. Auf einige Beispiele möchte ich nun im Detail eingehen.

Wehe:

Allen voran, das wahrscheinlich wichtigste Vokabel in der Mentale Geburtsvorbereitung bzw. Generell mittlerweile in der GVB, die Welle. 

Wenn wir uns das ursprüngliche Wort, die Wehe, genauer anschauen, dann erinnert dieses Wort, im deutschen zumindest, an Weh-tun, oder „Wehe dir!“ Und weckt bei den meisten von uns doch eher negative Assoziationen. Auch, wenn man das  bewusst vielleicht vl. Gar nicht so wahrnimmt und die „Wehe“ an sich nicht negativ konotiert ist. Eine Wehe ist für mich trotzdem etwas, wovor ich eher „zurückschrecke“. Vor der ich mich verstecken will, ihr entkommen will oder gegen die ich ankämpfen will. Was auch immer es ist, so richtig haben, will eine Wehe wohl niemand. 

Mit einer Welle hingegen ist das schon etwas anderes. Die Welle ist als Assoziation 1. wirklich gut geeignet, da die Kontraktion auch wellenförmig kommt und geht. Und 2. Ist eine Welle so neutral, mit der kann ich vieles machen. Auf der kann ich reiten, mit ihr kann ich Schwimmern, ich kann mich in ihr treiben lassen, auf ihr surfen, mich voll und ganz hingeben, in sie eintauchen usw. Die Welle hat einen natürlichen Rhythmus, dem ich folgen kann. Und die Welle kann ich viel eher begrüßen und annehmen als eine Wehe, vor der ich eher in Abwehrhaltung gehe. Schließlich sprechen ja auch „alle“ davon, wie schmerzhaft eine Wehe ist. Dadurch alleine schon, hab ich einen so großen Respekt davor, auch wenn sie mich jetzt nicht konkret an Wehtun o.ä. erinnert.

Entbindung/Entbinden:

Das nächste Wort, das ich zumindest aus meinem Wortschatz verbannt habe, ist die Entbindung. Ich finde, dass dieses Wort etwas sehr passives hat. Ich werde entbunden. Das schließt für mich keinen aktiven Vorgang ein, den die Frau aktiv steuert. Das ist mal das Erste. Und dazu kommt noch, dass Ent-Bindung ja auch in diesem Zusammenhang komisch ist, weil die Geburt ja der Moment ist, wo die Bindung zum Kind erst so richtig losgeht. Ich will mich also gar nicht ent-binden.

Gebären hingehen ist ein durch und durch kraftvolles, selbstbestimmtes Wort. Ich gebäre. Ich tue das aktiv. Niemand anderes tut das für mich. Klar, ich habe im Idealfall Unterstützung an meiner Seite. Vom Partner, von Hebammen und vielleicht auch Ärzten und Ärztinnen. Aber ich gebäre. Nur ich. 

Schmerz:

Wie vorhin schon erwähnt ist Schmerz natürlich etwas Negatives in unserer gewohnten Wahrnehmung. Aber neben dem klassischen Schmerz-Schmerz, der ein Alarmsignal ist und uns warnen soll, gibt es auch etwas, dass man Veränderungs- oder Wachstumsschmerz nennt. Damit meine ich mentales, psychisches, geistiges oder spirituelles Wachstum. Man kann den „Geburtsschmerz“ also mal von der Seite her betrachten. Dass es ja ein enormer Wachstums- und Veränderungsprozess ist, der da während einer Geburt stattfindet. Sowohl für die Mutter und das Kind, als auch universal. Ein neues Menschenleben wird geboren. 

Trotzdem bekommen die meisten von uns den negativen Touch von Schmerz nicht eben so mal los. Darum kannst du, so wie ich es vorhin schon beschrieben habe, das Wort auch ganz weglassen und durch eine konkrete Beschreibung des Gefühls ersetzen. Wir können auch dahingehend unseren Blickwinkel ändern, dass wir etwas nicht als „schmerzhaft“ beschreiben, sondern zB als intensiv. Mit einem intensiven Körpergefühl oder auch einer intensiven Welle, kann ich trotzdem immer noch besser umgehen als mit einem starken Schmerz. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Schönreden zu tun, sondern es macht einfach etwas mit uns, wie wir Dinge benennen. Und wenn ich von einem starken Schmerz spreche fühlt sich das, verstärke ich genau dieses Gefühl ganz automatisch. Und das muss ja nicht sein. Und intensiv ist ein sehr neutraler Begriff, ein wertfreier Begriff, und finde ich in Bezug auf die Geburt viel passender. Denn intensiv ist die Geburt immer. Es ist zweifelsfrei ein intensives Erlebnis, auf allen Ebenen. Aber schmerzhaft, da scheiden sich die Geister und das ist tatsächlich auch sehr subjektiv und individuell anders. 

Fazit:  Einfluss von Sprache auf die Geburt

Unsere Sprache formt unsere Wirklichkeit. Und wie wir Worte wählen, sei es jetzt gesprochen, gehört oder nur gedacht: es wird eine Energie ausgesendet, die in genau der gleichen Form wieder zu uns zurückkommt. Darum sollten wir unsere Worte mit Sorgfalt wählen und auch unser Umfeld darum bitten, achtsam mit ihren Worten uns ggü. umzugehen. Gerade in der Schwangerschaft und natürlich auch während der Geburt sind wir besonders empfänglich und nehmen ungefiltert jede Schwingung in uns auf. Darum fang am Besten schon jetzt damit an, genau zu beobachten und ggf. Auch einzelne Wörter aus deinem Sprachschatz zu ändern und zu ersetzen. Auch das ist nach den Ebenen der Veränderung etwas, was einen internen Veränderungsprozess anstößt und etwas in uns bewirkt. Weil es einfach so omnipräsent ist und uns tagtäglich an allen Ecken begegnet.

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